Geschichte der Privaten Krankenversicherung

Geschichtliche Entwicklung der PKV

Wurzeln der PKV

Die private Krankenversicherung (PKV) zählt zu den ältesten Versicherungszweigen. Das Zunftwesen der Handwerker ist sozusagen als erste Wurzel der PKV zu betrachten, denn schon seit dem frühen Mittelalter unterstützten die Zünfte aus ihrem durch Beiträge erworbenen Vermögen die Mitglieder in Notfällen, wie z. B. Krankheit, Invalidität und Alter.

Anfang des 18. Jahrhunderts interessierte sich erstmals der Gesetzgeber für die Krankenversicherung. So ließ Preußen in der Allgemeinen Gewerbeordnung vom 17.01.1845 die Gründung von Krankenkassen als Vorläufer der späteren Sozialversicherung für Fabrikarbeiter zu und gestattete den Gemeinden, die am Ort beschäftigten Gesellen und Gehilfen zu zwingen, den Krankenkassen beizutreten. Nach dem Beispiel von Preußen erließen dann auch die meisten anderen Staaten Vorschriften über das Hilfskassenwesen. Das Gesetz über die eingeschriebenen Hilfskassen vom 07.04.1876 brachte schließlich eine einheitliche Regelung für das Reich.

1883: Unterscheidung private und soziale Krankenversicherung

Not und Elend der arbeitenden Bevölkerung als Folge der Industrialisierung zwangen Bismarck, 1883 sozialpolitische Reformen durchzuführen. Als erster Zweig der Sozialversicherung wurde am 15.06.1883 die Krankenversicherung der Arbeiter eingeführt. Im Mittelpunkt stand der Versicherungszwang für einen näher umschriebenen Personenkreis. Gemeindekrankenversicherungs-, Orts-,
Betriebs-, Innungskrankenkassen, Knappschafts- und Hilfskrankenkassen waren die Träger der sozialen Krankenversicherung. Erst ab diesem Zeitpunkt lässt sich deutlich zwischen privater und sozialer Krankenversicherung unterscheiden.

Der Versicherungszwang für bestimmte Personenkreise, den die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt hatte, veranlasste die nicht in sie einbezogenen Bevölkerungsschichten, entsprechende Einrichtungen auf privatwirtschaftlicher Grundlage zu bilden. Aufgrund des Gesetzes über die privaten Versicherungs-unternehmen vom 12.05.1901 wurden die Krankenversicherungsunternehmen dem neu errichteten Kaiserlichen Aufsichtsamt für die Privatversicherung unterstellt.

Nach der Einführung der Sozialversicherung für Arbeiter erhielt die PKV Impulse von den Beamten und von Angehörigen des Mittelstandes. Interesse zeigten insbesondere Kommunalbeamte, Lehrer und Geistliche. Die älteste Einrichtung dieser Art war die schon 1848 entstandene Krankenkasse der Beamten des Berliner Polizeipräsidiums.

1924: Aufschwung der privaten Krankenversicherung

Die günstige Entwicklung der PKV in den folgenden Jahren wurde durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges unterbrochen. Aufgrund der Geldentwertung büßte der Mittelstand sein Vermögen ein. Die Rücklagen, aus denen bisher die Krankheitskosten bestritten wurden, waren verbraucht. Nach der Stabilisierung der Währung setzte um die Jahreswende 1923 / 24 ein Zustrom zu den Versicherungsunternehmen ein. In den nächsten Jahren begannen auch öffentlich-rechtliche Versicherungseinrichtungen, sich der privaten Krankenversicherung zuzuwenden. Sie beschränkten sich auf die Versicherung der Beamten und ihrer Familien, deren Gehälter nach der Stabilisierung der Währung nicht immer ausreichten, um die Kosten für schwere Krankheiten selbst zu bezahlen.

Von besonderer Bedeutung für die private Krankenversicherung wurden die Vorschriften des Gesetzes über den Aufbau der Sozialversicherung vom 05.07.1934 und dessen Ausführungsbestimmungen. Die 12. und 15. Aufbauverordnung vom 24.12.1935 und 01.04.1937 ließen die Ersatzkassen zu Körperschaften des öffentlichen Rechts werden und zu Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Insbesondere wurde getrennt zwischen Angestellten- und Arbeiterersatzkassen. Sozialversicherungsfremde Mitglieder mussten aus ihnen ausscheiden.
Aufgrund dieser Beschränkung des Versichertenkreises auf die nach der Reichsversicherungsordnung versicherungspflichtigen und -berechtigten Personen wurden sie von der Aufsicht über private Versicherungsunternehmen herausgenommen. Für die Krankenversicherung der aus den Ersatzkassen ausgeschiedenen Mitglieder waren jetzt die privaten Gesellschaften zuständig.

1945, nach dem 2. Weltkrieg, erfolgte der totale Zusammenbruch der PKV. Die Zeit nach dem Zusammenbruch war für die deutsche Versicherung
mit dem tiefsten Niedergang in ihrer Geschichte verbunden. Die sowjetische Besatzungsmacht hatte jedwede Tätigkeit der PKV verboten. Eine große Anzahl von Versicherungsunternehmen siedelte in das Gebiet der Bundesrepublik über. 1945 musste beim Nullpunkt begonnen werden. Im Mai 1946 fand in Hameln die erste Zusammentreffen der Krankenversicherer der britischen Besatzungszone statt, 1947 wurde der Verband der privaten Krankenversicherung für die britische Zone mit Sitz in Köln gegründet. 1948 konstituierte sich der bizonale Verband der privaten Krankenversicherung, 1949 dehnte sich der Verband auf das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus.

Bis in die 70er Jahre hinein wurde der gesetzliche Versicherungsschutz auf fast alle Bevölkerungskreise schrittweise ausgedehnt. Die im 2. Krankenversicherungsänderungsgesetz von 1970 festgelegte Versicherungspflichtgrenze in der GKV auf 75 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung war für die PKV die Voraussetzung für eine dauernde Koexistenz mit der GKV. 1989 wurde im Gesundheitsreformgesetz eine Neuabgrenzung des gesetzlich und privat versicherten Personenkreises vorgenommen. So wurde erstmalig Arbeitern mit Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze erlaubt, sich ausschließlich privat zu versichern. Beamte und Selbstständige wurden unabhängig vom Einkommen auf die private Versicherung verwiesen.

1995: Einführung der Pflegepflichtversicherung

Am 3.10.1990 traten die auf dem Gebiet der früheren DDR entstandenen fünf neuen Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland bei, am 1.1.1991 wurde dort das gegliederte Krankenversicherungssystem der Bundesrepublik eingeführt. Das Gesundheitsstrukturgesetz, das am 1.1.1993 in Kraft trat, brachte für die PKV die Einführung des sog. Standardtarifs, der sie verpflichtet, älteren Versicherten einen auf den durchschnittlichen Höchstbeitrag der GKV begrenzten Tarif anzubieten. Bei der Pflegepflichtversicherung, die am 1.1.1995 eingeführt wurde, wurde der Grundsatz „Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung“ in die Praxis umgesetzt. Die PKV wurde damit zum Träger der Pflegepflichtversicherung für alle diejenigen, die bei ihr gegen das
Krankheitsrisiko versichert sind.